Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kurzgeschichte Glück ist relativ
"Ich rette dich"
Ja das tue ich.
Dafür arbeite ich ja hier.
Dich nehm ich mit zu mir nach Hause. Du wirst es gut haben bei mir.
Er schaut aus den Gittern zu mir. Ja, er ist es wert. Große braune Augen, schwarze lange Haare... ganz zottelig. Ja, er ist es. Er wird mein Gefährte sein. Also schaue ich, ob niemand in der Nähe ist, Zwinger auf und raus mit dir!!!
Ich bringe ihn in meinen Wagen. Er freut sich. Er schleckt mir durchs Gesicht, als ich grade losfahre.
Niemand wollte ihn. Er ist ein "Problemfall". Er hat mal ein Kind "angefallen", hieß es.
Sie sagten er sei "gefährlich". In Wirklichkeit jedoch ist dieses Balg von hinten angerannt gekommen,
hat sich mit vollem Gewicht und unter lärmenden Geschrei auf ihn geschmissen und hat ihn dann noch am Schwanz gezogen.
Vor Schreck hat er sich umgedreht und nach dem Kind geschnappt. Ein kleiner Biss. Bei einem Dackel hätte niemand darüber gesprochen. Aber bei einem großen, schwarzen Hund -MISCHLING- nicht mal eine Rasse, ist es gleich ein Kampfhund, ein Monster.
Armer Balu. Du bist unschuldig eingesperrt worden.
Dein Frauchen hat dich einfach hier abgegeben. Sie wolle einen Familienhund, keinen aggressiven Kläffer.
Es gibt keinen besseren als dich Balu.
Ich habe einen großen Garten. Dort wirst du spielen können.
Ich werde dich lieben. Du wirst mein Familienhund. Meine Familie.
Es ist jetzt Jahre her. Ich gehe zu den Zwingern, wie jeden Tag.
Ich denke mir, dass ich gute Arbeit mache. Alle sind versorgt. Alle waren draußen, alle haben Fressen.
Alle waren draußen. Mit Allen habe ich gespielt. Nur einer fehlt...
Alle diese Hunde habe ich gerettet. Sie sind nicht mehr im Tierheim. Sie sind in meinem Garten.
In meinem großen Garten. Sie sind frei. Sie bekommen Liebe.
Ich gehe ins Haus. Es ist dreckig. Es stinkt. Es ist kalt----lange schon kann ich keine Rechnung mehr bezahlen.
In den Schränken steht nur Hundefutter. Ich nehme mir eine Schale davon und kippe Milch darüber.
Es schmeckt nicht schlecht.
Ich dusche mich mit kaltem Wasser. Das ist nicht schlimm. Gut fürs Immunsystem.
Lange schon kommt mich kein Mann mehr besuchen. In mein kaltes Haus.
Ich brauche keinen Mann. Ich brauche keine Heizung. Ich lege mich ins Bett. Und ich merke- ich bin nicht allein.
Ich bin nie allein im Bett. Balu ist bei mir. Balu wärmt mich. Balu ist für mich da. Er schleckt mir durchs Gesicht.
Ich habe ihn gerettet. Das hat er mir nicht vergessen. Das wird er mir nie vergessen. Niemals.
Er liebt mich. Für immer.
Öhmmmmm ja?! Also irgendwie fehlt hier was. OK es ist schlimm dass Tiere in ein überfülltes Tierheim gegeben werden weil sie ihren Besitzern nicht mehr passen. Ebenso ist es nicht schön, dass Menschen eben diese Tiere aus falschverstandener Tierliebe zu sich holen und sie auf genauso engem Raum und den selben Bedingungen wie im Tierheim zusammen pferchen. Was die Bedingung für Mensch und Tier längerfristig verschlechtert. Missstand! Du wolltest darauf hinweisen, löblich. Aber deine Geschichte kommt so ziemlich alltäglich daher, auch das Problem ist inzwischen (leider) alltäglich. Reist nicht wirklich vom Hocker und auch so rein schreibtechnisch nicht so wirklich ausgreift oder besonders.
Setzt weder inhaltliche noch sprachliche Aktzente und weiß deshalb nicht wirklich zu überzeugen.
Aber hin und wieder geht eben einfach mal was daneben.
Der
Uriel
willi klein
17.04.2009, 18:50
Ich finde die Geschichte gar nicht so schlecht...
Jedesmal wenn ich es lese, erweckt es in mir ein seltsames ungutes Gefühl.
Ein Gefühl, das vielleicht etwas mit dem Scheitern auf der Suche nach Glück zu tun hat.
Voller Optimismus beginnt dein Protagonist in deiner Geschichte und endet in einer Art von "Wahnsinn", so erscheint es mir zumindest, der aus tiefster Verzweiflung entsprungen ist.
Spricht für mich etwas zutiefst Menschliches an... Wie könnte man es nennen? Der Versuch die Ideale in einer schlechten Welt zu verwirklichen und letztendlich am Menschsein selbst zu scheitern...
Finde ich in deiner Geschichte gut umgesetzt...
Ich glaube, man nennt es tragisch...:daumen:
druckfehler
18.04.2009, 08:58
Ichfinde die Geschichte auch gar nicht mal so schlecht... Klar, es gibt einiges daran, was nicht ganz optimal ist. Eine andere Erzählhaltung hätte eher vorgebeugt, dass der Standpunkt des Protagonisten interpretiert wird anstatt dessen, was die Geschichte eventuell eigentlich aussagt. Dass es vordergründig zwar um Tierheimstiere geht, hintergründig aber viel mehr darüber aussagt, wie der Protagonist mit seiner Einsamkeit umgeht. Es ist der Versuch, sich in ihre Psyche hineinzudenken.
Alle diese Hunde habe ich gerettet. Sie sind nicht mehr im Tierheim. Sie sind in meinem Garten.
In meinem großen Garten. Sie sind frei. Sie bekommen Liebe.
Was das über die Sehnsüchte der Hundefrau aussagt, die sie auf die Hunde projiziert, macht diesen Abschnitt für die Geschichte zentral.
Ich gehe ins Haus. Es ist dreckig. Es stinkt. Es ist kalt----lange schon kann ich keine Rechnung mehr bezahlen.
hier würde ich zu bedenken geben, dass die Protagonistin daran so gewöhnt sein müsste, dass ihr das nicht mehr so 'objektiv' auffällt.
Uriel: Dass du die Geschichte als absolut altäglich siehst verwundert mich etwas. Ist dir entgangen, dass diese Zeilen Ich brauche keinen Mann. (...) Ich bin nie allein im Bett. Balu ist bei mir. Balu wärmt mich. Balu ist für mich da. Er schleckt mir durchs Gesicht. doch etwas ansprechen, was zumindest ich nicht als alltäglich empfinde. Auch wenn eventuell die physische Komponente nicht gemeint ist (was meiner Meinung nach aber schon durch die Formulierung des Abschnitts nahegelegt wird), so ist die Situation, diese Hundeliebe als Ersatz für menschliche Nähe zu nehmen doch an sich nicht besonders gesund, geschweige denn normal (auch wenn diese Projektion wohl nicht selten vorkommt).
Zum besseren Verständniss, mir gefällt die ganze Erzählweise nicht. So werden z.B. keine Spannungsbögen aufgebaut, was vordergründig auch nicht wichtig erscheinen mag, jedoch für den Lesefluß doch essentiell ist. Aber da ich hier nicht der Techniker bin und andere im Forum dies besser beurteilen und bewerten können und ich nur rein intuitiv an die Werke und ihre technische Seite rangehe erstmal genung dazu.
Was jedoch das rein inhaltliche angeht bleibe ich jedoch weiter dabei, dass es sich um eine doch schon sehr alltägliche Geschichte handelt, was ja per se nichts negatives ist. Jedoch ist und bleibt der Inhalt leider alltägliche Realität. Ich habe vor Jahren ehernamtlich regelmässig in einem Tierheim gearbeitet und mache das heute wenn es meine Zeit zu lässt (leider viel zu wenig) auch noch. In den Jahren mag sich so einiges verändert haben, was Rassen ja gesamte Tiergattungen angeht, aber 2 Dinge sind immer gleich geblieben, erstens die Ausreden und betretene Gesichter der Nochbesitzer wenn sie ein Tier abgeben und 2 die quartalsmässigen Einsätze bei Tierfreunden, denen die Situation total entglitten ist und die viel zuviele Tiere auf einem viel zu engen Raum halten und das weder finanziel, noch zeitlich geregelt kriegen und die sich total von der Gesellschaft absondern bzw. auch abgesondert wurden und die körperliche Wärme und Zuneigung nur noch von den Tieren erhalten. Eben genauso wie in dem Werk von Flügel beschrieben. Traurig aber war, umso schlimmer ist es für diese Menschen dann wenn ihnen ihre Tiere und damit letzlich verbliebenen Bezugswesen entrissen werden.
So und nun wieder zu meiner Kritik am Text, es gibt wohl Verbesserungsbedarf was das technische angeht, was den Inhalt angeht so ist der Ansatz gut, nur leider wird im Inhalt eine alltägliche Geschichte erzählt, was an sich eigentlich nichts negatives ist, da die besten und interessantesten Geschichten nun mal vom Leben und im Alltag geschrieben werden. Aber was genau möchte Flügel nun mit ihrem Text sagen bzw. erreichen, der Missstand wird wohl von jedem Leser als solcher erkannt. Und nu???
Hab also für mich das Resüme gezogen, dass die Geschichte Verbesserungspotential hat sowohl was die tech. Umsetzung als auch die inhaltliche Herausarbeitung angeht.
Und da ich sonst eigentlich Flügels Texte sehr gerne lese und durchweg als überdurchschnittlich gut empfinde, war ich von diesem eben leicht enttäuscht.
Aber eines muss man dem Text doch zusgestehen, er regt zu Diskussionen und ausführlichen Kritiken an, insofern muss er durchaus was haben...:D
So, ich denke es ist Zeit einiges aufzuklären^^.
Ich fürchte Uriel hat mich nicht ganz verstanden: Primär geht es mir gar nicht so sehr um die Hunde und das Tierheim; ich habe dieses Thema schlicht gewählt, weil ich selber so ein Hundefan bin und ich mich daher auf halbwegs bekanntem Gebiet bewegen konnte.
Dass es vordergründig zwar um Tierheimstiere geht, hintergründig aber viel mehr darüber aussagt, wie der Protagonist mit seiner Einsamkeit umgeht. Es ist der Versuch, sich in ihre Psyche hineinzudenken.
Das trifft das Ganze schon eher. Meine "Heldin" versucht, etwas Gutes in einer schlechte Welt zu tun, in Bezug auf Balu gelingt es ihr auch.
Eine andere Erzählhaltung hätte eher vorgebeugt, dass der Standpunkt des Protagonisten interpretiert wird anstatt dessen, was die Geschichte eventuell eigentlich aussagt.
Ich muss gestehen, dass eine andere Erzählperspektive durchaus für mehr Verständniss gesorgt hätte. Ich habe mich aber bewusst für die Sicht der Protagonistin entschieden. Ich wusste zum einen sofort, Wie ich die Gesxshichte so in die Tat umsetzen konnte, ich hatte einfach eine sehr genaue Vorstellung und diese erzählperspektive war Teil davon. Zum anderen muss man es den Lesern ja auch nicht immer ssooooooo leicht machen.
Finde ich in deiner Geschichte gut umgesetzt...
Ich glaube, man nennt es tragisch...:daumen:
DANKESCHÖÖÖÖÖN :D
Es ist schön, dass man die Tragik in der Geschichte erkennt.
Das war mein primäres Ziel. Der Weg von einem Ausgangspunkt zu einem (gut gemeinten) Ziel, der jedoch (ohne, dass der- oder diejenige es merkt) völlig aus den Rundern läuft...
Sie selbst ist mit ihrer Situation glücklich, wohingegen es Leute, mit etwas abstand, ekelhaft, suspekt oder tragisch/traurig finden.
Ich selbst bin eigentlich recht zufrieden mit mir. Klar hätte ich bestimmt noch einiges besser machen können, aber mir gefällt meine Geschichte.
Was die Fehler Oder Mängel betrifft sei mir verziehen...ich bin noch Anfänger^^
Vielen Dank für eure Beiträge und Bemühungen. Es freut mich, dass sich Jemand die Mühe macht, meine Geschichten und Gedichte zu lesen^^
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