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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Welche Religion hat Gott?


willi klein
17.04.2009, 22:58
Hierzu eine 3 Minuten Antwort von dem Quantenphysiker Hans-Albert Dürr, Schüler von Heisenberg und alternativer Nobelpreisträger...
(mitgeschrieben von der table of free voice-Veranstaltung, 9. Sept. 2006.
Copyleft dropping knowledge.)

"Es gibt keinen Gott.
Gott ist ein Symbol für etwas, was wir nicht in Sprache fassen können. Und deshalb gibt es auch keine Religion Gottes. Gott muß man sich vorstellen, ist etwas, das nicht ein Nicht-Wissen ist, sondern das überhaupt außerhalb unseres Wissens ist. Das nicht die Qualität der Wißbarkeit hat. Es ist etwa so, wie wenn wir die Frage stellen, was ist die Farbe eines Kreises. Ist er rot, grün oder blau?
Nein. Er ist weder blau, noch rot, noch grün. Er ist auch nicht farblos. Die Frage nach der Farbe des Kreises ist unsinnig. Weil ein Kreis kennt nicht die Farbe.
Das sehen viele nicht ein. Sie nehmen ein Stift aus ihrer Tasche, malen ein Kreis auf ein Papier und sagen: "Sieh mal, der Kreis ist doch blau".
Ja. Der von uns gemalte Kreis ist blau, aber die Farbe, die kommt von meinem Stift und nicht von dem Kreis. Die Farbe des Stiftes ist die Religion, mit der wir das Göttliche ausdrücken, aber den Kreis selbst können wir nicht zeichnen. Es ist etwas, was mit Farbe nichts zu tun hat und es gibt so viele Religionen, wie es Farben gibt, mit denen ich ein Kreis male."

...

druckfehler
17.04.2009, 23:39
joa, ich hätte das jetzt etwas anders formuliert... :)

Ein schönes Gleichnis. Ein kleiner logischer Bruch ist hier doch drin:

Die Frage nach der Farbe des Kreises ist unsinnig. Weil ein Kreis kennt nicht die Farbe.

Nehmen wir an, es gäbe Gott und man überträgt das auf ihn, hieße es, dass Gott seine Religion nicht kennt. Nur dass wir nicht wissen, ob es Gott gibt, heißt das ja nicht, dass es ihn nicht geben kann. Genausowenig heißt der Fakt, dass wir seine 'Religion' (was auch immer das ist) nicht kennen nicht, dass er keine hat. Natürlich ist es möglich, dass ein potentieller Gott Moslems lieber hat als Christen oder Kühe lieber als Bäume.
Ein Kreis ist ein Objekt und hat keine Eigenwahrnehmung (wahrscheinlich :D). Der Kreis kann von sich selbst genauso wenig sagen, dass er rund ist (obwohl er das ist, zumindest gehen wir - auf unsere Wahrnehmung gestüzt - sehr stark davon), wie dass er eine Farbe hat. Gott hingegen wird in unserem Kulturkreis als ein Lebewesen oder eine Person (auch wenn in absrakterem Sinn als der alte mit Bart) mit Eigenwahrnehmung dargestellt. Er muss ja, wenn es ihn gibt, sogar eine Eingenwahrnehmung haben können, sonst ist er nicht allmächtig, also kein Gott.

Etwas konfus vielleicht. Auf jeden Fall ist mir der Herr Dürr nicht konsequent genug (wenn ich ihn denn richtig verstanden habe).

willi, ich erwarte n Diskussion ;) (das hast du jetzt davon, so ein Thema zu posten :D)

Aichi
17.04.2009, 23:55
Gott wohnt doch in jedem von uns.
In jedem von uns steckt eine göttliche Macht.

"Religion" - das ist doch etwas was wir Menschen erfunden haben.
Genau wie das Gott ein Alter wäre mit einem Bart.

Wenn Gott also in uns alle ist, hat Gott nicht nur eine Religion,
sondern viele gleichzeitig, da wir unterschiedliche Religionen haben.

Aichi

druckfehler
18.04.2009, 08:34
bis jetzt ist das nur eine Annahme, Aichi. Kannst du deine Theorie beweisen? (würde mich doch sehr wundern... :D)

Uriel
18.04.2009, 18:14
Welche Religion hat Gott? Interessante Frage die jedoch wie selbstverständlich davon ausgeht, dass Gott eine Wesenheit ist, die eine Eigenwahrnehmung und sogar ein Bewusstsein hat. Den ohne Bewusstsein ist Eigenwahrnehmung per Definition nicht möglich.
Religion ist die Vorstellung des Menschen / eines Kulturkreises vom Wesen der Götter oder des Gottes an die / den besagter Mensch Kulturkreis glaubt, nebenbei muss die Religion auch noch als Hilfskonstrukt zur Erklärung so mancher unerklärlicher Phänomäne herhalten. Zudem enthält jede Religion Regeln die ein konfliktfreies Leben in besagtem Kulturkreis ermöglichen soll. Natürlich wird so manche Religion auch bewusst oder unbewusst missbräuchlich verwendet und interprätiert.
Schlussendlich ist jedoch jede Religion nur ein Versuch des Menschen sich so manch unerklärliches zu erklären und eine perfekte Möglichkeit die Schuld an Geschehnissen nicht im eigenen Verhalten bzw. dem seiner nahen oder entfernten Umwelt zu suchen sondern einer höheren Entenität zu zuweisen. Hierbei ist in Ereignisse zu entscheiden für deren Geschehen der Mensch eine Erklärung hat diese jedoch nicht akzeptieren möchte und Ereignisse für die der Mensch auch trotz intrinsischem Nachdenken keine Erklärung hat, siehe Erdbeben, bei ersteren stellen sich Menschen gerne als Werkzeug Gottes dar letztere werden einfach als Wille Gottes bezeichnet.
Religion hat also 3 essentielle Funktionen:
1. als Erklärung für Sachverhalte die der Mensch nicht wirklich fassen kann, wie z.B. die Unendlichkeit des Seins oder auchdes Universums (hierfür kann Religion unter anderem ein erklärendes Hilfskonstrukt sein).
2. Als Rechtfertigung für Ereignisse und Taten.
3. Zur Erstellung und Festigung eines Regelwerkes die ein Zusammenleben ermöglichen.

So und jetzt einmal davon ausgegagen, dass Gott eine wie auch immer geartete Wesenheit mit Bewusstsein und Eigenwahrnehmung ist, wozu sollte er unter diesen Prämissen eine Religion benötigen??? Etwa um sich selbst und die eigene Existenz zu rechtfertigen??? Wohl kaum!!! Also hat Gott bei diesem Ansatz keine eigene Religion.

Gott oder das Göttliche ein Konglomerat von Macht und Energieflüssen in allen bestehenden Wesen und gar allen Substanzen? Welche Religion hat dann Gott? Dann wohl ein Konglomerat aus allen Religionen bzw. nicht existierenden Religionen.

Bevor also die Frage welche Religion diskutiert werden kann, ist zu klären ob es einen oder mehrere Götter überhaupt gibt und wenn ja, wie diese sich genau definieren. Erst wenn diese Fragen zweifelsfrei geklärt und besagte Definitionen unumstößlich festegelegt wurden, macht Willis Frage einen Sinn.
Bei einem Kreis ist dies zweifelsfrei geschehen, wobei seine Farbgebung unrelevant ist, insofern muss ich Fehler was die Unausgegohrenheit von Dürrs Kommentar angeht recht geben.

Solange mag gelten, dass auch die mächtigsten Götter in dem Augenblick sterben, in dem niemand mehr an sie glaubt.

Der
Uriel :D

Rivka
18.04.2009, 18:33
So und jetzt einmal davon ausgegagen, dass Gott eine wie auch immer geartete Wesenheit mit Bewusstsein und Eigenwahrnehmung ist, wozu sollte er unter diesen Prämissen eine Religion benötigen??? Etwa um sich selbst und die eigene Existenz zu rechtfertigen??? Wohl kaum!!! Also hat Gott bei diesem Ansatz keine eigene Religion.



Soll das heißen, Gott hat keine Religion, sondern Gott IST Religion?

Aichi
18.04.2009, 18:51
Soll das heißen, Gott hat keine Religion, sondern Gott IST Religion?

Gott kann man nicht erkläre bzw. sehen.
Im Gegenteil zu etwas physikalischem, das man genau belegen kann.

Hat es nicht auch immer etwas mit der eigenen Einstellung zu tun?
Ob Gott nun eine Religion hat oder nicht, darüber denkt doch jeder anders.

Aichi

Uriel
18.04.2009, 18:52
Soll das heißen, Gott hat keine Religion, sondern Gott IST Religion?

Die Antwort auf die Frage hängt ganz von deiner Definition von Gott ab. Jedoch gibt es auch Religionen wie z.B. den Budhismus, welche ganz und gar ohne eine göttliche Entenität auskommen. Jedoch ist Gott in den meisten Religionen ein wesentlicher Bestandteil der selben. Insofern kann Gott nicht für sich Religion sein, diese in vielen Fällen jedoch entscheidend prägen.

Wenn Aichi nun sagt Gott kann man nicht erkläre , dann nutzt sie Gott in just in diesem Augenblick dafür etwas unerklärliches zu erklären, und räumt Gott eine wichtige Rolle in ihrer Religion/ihrem Glauben ein.

Ob Gott Einstellungssache ist vermag ich nicht zu sagen, Religion ist definitiv ein Frage der eigenen Einstellung.

Aichi
18.04.2009, 18:57
Die Antwort auf die Frage hängt ganz von deiner Definition von Gott ab. Jedoch gibt es auch Religionen wie z.B. den Budhismus, welche ganz ohne eine göttliche Entenität auskommen. Jedoch ist Gott in den meisten Religionen ein wesentlicher Bestandteil der selben. Insofern kann Gott nicht für sich Religion sein, diese in vielen Fällen jedoch entscheidend prägen.

Das stimmt Uri.
Ob nun oder nicht, muss doch jeder selbst entscheiden.

Aichi

willi klein
25.04.2009, 00:15
Die Frage nach Gottes Religion weist mehr oder weniger subtil auf die Frage nach der Diskrepanz hin, die der Mensch unter Menschen in dem Sinn seiner Existenz zu sehen scheint...

Wenn man diese Frage weniger in Hinblick auf Gott als den Menschen stellt, ist diese Frage primär gar nicht mal so paradox in dem Sinne, daß es logisch unauflösbar wäre, sondern vielmehr eine Frage nach der Schwierigkeit des Bewältigens eines Geworfenseins ins menschliche Dasein.

Einer Kluft, die mit Symbolhaftem gefüllt, die Instinkte ersetzt, in einer Welt, die aus der menschlichen Perspektive unpersönlich und bewußtlos, vernünftig in einem langwierigen Prozeß gewachsen, da ist.
Wen wundert da die Frage nach Gott?

"Wenn es Gott nicht gäbe, so müßte man ihn erfinden", schrieb einst Voltaire...
Man könnte den Gedanken auch weiterspinnen und fragen...
Inwiefern ist das Schicksal des Menschseins in dieser Welt mit dem Begriff Gott verwoben? Muß man ihn irgendwie haben, um sich an ihm, der konkret umgreifenden Essenz dieser verwirrenden Welt, reiben zu können?

Der Mensch scheint ein von der der Natur arg vernachlässigtes Wesen zu sein. Verkümmerte Instinkte... eine Spezies, die eigentlich evolutionär ziemlich schnell, (wenn man so will), hätte ausrangiert sein können. Anstatt auszusterben, fing diese Spezies an ihre Toten zu begraben, ihnen Beigaben zu schenken, ihnen zu Gedenken...
Vielleicht ging ihnen das Sterben näher als anderen Geschöpfen dieser Erde...
Es entstanden Symbole, die die Sphäre der Transzendenz erschlossen, erfüllten... Vielleicht macht das den Menschen aus... die Sphäre einer Transzendenz, die die fehlenden, überlebenswichtigen Instinkte scheinbar ersetzt haben. It works, but how? This is the question...

Wenn man diese Transzendens zu einer Essenz zusammenfasst, ist es Gott...
Was bedeutet Transzendenz?
Ein Beispiel hierzu.
Man schreibt ein Gedicht auf ein Papier bestehend aus Cellulosefasern. Läßt man ein Hund darauf blicken oder eine Katze oder ein Insekt, was sehen sie? Können sie die Transzendenz "Lyrik" auf diesen Cellulosefasern sehen? Die nächste Frage wäre, welchen Sinn bsp. Lyrik im Universum hat...

Welchen Sinn hat sie in der Transzendenzfähigkeit des menschlich- natürlichen Defizites? Ist es etwas, das man "umgreifend" nennen könnte? Wenn ich mir überlege, was denn "umgreifend" sein könnte und was wir andauernd "transzendieren" müssen, fällt mir nur unsere und "umgreifend" die Existenz ein...

Antwortete nicht Gott aus dem AT zu Moses auf die Frage, was er den sagen solle, wer ihn schickt... "Ich bin, der ich bin"?
Die Geschichte der Philosophie scheint dies, wenn auch nicht offenkundig, nahezulegen...Mensch, Mythos, Philosophie, Wissenschaft, Gottesbeweise, Gotteswiderlegungen, Gotteslöschungen, Gottesdämmerungen, Phänomene, Existenzphilosophie, Mensch...

Die Frage nach Gott ist eine Frage nach unserer Existenz und der Existenz der Existenz...
Womit unser Quantenphysiker Dürr wohl an der Front kämpft...

Ich, für mein Teil, betrachte diese Frage nach Gott mit der Frage nach der "umgreifenden" Existenz...
Wenn man nun sagen würde, die Existenz existiert, hätten wir schon ein Problem... Denn wie kann ein Attribut eins sein mit seiner Substanz?...
Fragen über Fragen...:kratz:

Moses
25.04.2009, 11:26
Der liebe Herr Dürr sollte m.E. besser bei der QuantenPhysik bleiben.

"Gott" markiert da für ihn die Grenzen seines Verständnisses/Wissens. Gott definiert er also als "Nicht-Erfahrbar/Erkennbar usw." Das ist 1. nicht wirklich originell, da gabs schon esoterisch-christliche Strömungen im frühen Mittelalter, die auf dem Trip waren. 2. ist das viel zu kurz gegriffen. Holt er nämlich noch den Begriff "Religion" ins Boot, so spricht er die reale, gesellschaftliche Wirkung an. Und das ist keine Frage der Quantenphysik und auch nicht mit den Mitteln dieser Wissenschaft zu klären.

Die Frage nach der Wirkung Gottes kann man ja getrennt von der Frage nach der eigentlichen Existenz (des eigentlichen Wesens) behandeln. Erstere könnte man ad-hoc so beantworten (thx uriel):

1. als Erklärung für Sachverhalte die der Mensch nicht wirklich fassen kann, wie z.B. die Unendlichkeit des Seins oder auchdes Universums (hierfür kann Religion unter anderem ein erklärendes Hilfskonstrukt sein).
2. Als Rechtfertigung für Ereignisse und Taten.
3. Zur Erstellung und Festigung eines Regelwerkes die ein Zusammenleben ermöglichen.Wer das als unbefriedigend empfindet, kann zwar über das eigentliche Wesen spekulieren. Aber das ist irgendwie unergiebig&mühselig...

Rivka
25.04.2009, 11:42
Wer das als unbefriedigend empfindet, kann zwar über das eigentliche Wesen spekulieren. Aber das ist irgendwie unergiebig&mühselig...

Nun, für manch einen mag diese Thema auch etwas zu hoch sein. ;)

Jetzt komm ich mal mit meiner Rivkainterpretation, die natürlich nicht auf wissenschaftlicher Ebene stattfindet!

Wenn ich Willi richtig verstanden habe, versuchen wir unsere Defizite durch Transzendenz (nennen wir es mal hier Religion) auszugleichen, um dieses erklären/verstehen zu können, schaffen wir und ein "Über-ich", nennen wir es Gott.
Wenn das stimmt, hat Aichi gar nicht so recht, denn jeder hat eine andere Phantasie. ;)

Moses
25.04.2009, 11:48
Wenn ich Willi richtig verstanden habe, versuchen wir unsere Defizite durch Transzendenz (nennen wir es mal hier Religion) auszugleichen, um dieses erklären/verstehen zu können, schaffen wir und ein "Über-ich", nennen wir es Gott.Eben... Aber das ist noch immer die Frage nach Funktion&Wirkung. Durchaus spannend und gut zu beantworten. Geht es aber um den Gott an sich, das Wesen (oder Ding...) an sich, dann fängt die Spekulation an. Denn was kann man mit Sicherheit darüber aussagen (außer vielleicht, dass sich darüber nichts aussagen lässt)?

Rivka
25.04.2009, 11:55
Nun, es ist immer schwer, das Unerreichbare zu beschreiben geschweige denn zu verstehen. Die andere Frage ist: Wenn wir das könnten, würden wir es ertragen können?

Moses
25.04.2009, 11:58
(NB zum Thema Religion)

Erinnert irgendwie an eine alte South-Park-Folge. Im Vorhof der Hölle trifft der Katholik auf den Adventisten, den Protestanten, den Evangelikalen, den Moslem, den Zionisten usw., alle sind sauer, alle beschweren sich. "Verdammt. Wir haben doch ein gutes Leben geführt...Warum das???" Mr Hells-Keepersagt an: "Sorry Leute, ihr lagt alle falsch. Gott lässt nur die Mormonen rein.. "

Federling
25.04.2009, 21:00
Gott ist Atheist
Zumindest kann er keine dieser herkömmlichen Religionen haben, denn für ihn wäre es Wissen und kein Glaube mehr und nach meinem Verständnis von Religion hat sie doch immer was mit Glaube zu tun.
Gott grübelt bestimmt darüber nach, wer und wozu man ihn erschaffen hat. Wenn es mehrere Götter gibt, dann legt jeder seine individuelle Ansicht nieder und beharrt so lange darauf, bis sie sich gegenseitig abschlachten. Also ist Gott tot oder Atheist.

willi klein
29.04.2009, 22:19
Also ist Gott tot oder Atheist.
Oder die Frage nach Gottes Religion ist einfach nur subversiv...
Man könnte z.B. auch die Frage stellen, welche Religion die Liebe hat.
Oder welche Farbe der Akt des Holzspaltens hat.

Gott ist nicht zu erschließen, vielleicht im Sein zu erfahren...
Die Religion ist etwas, was Gott zum zentralen Thema hat, praktiziert vom Menschen...
Mir stellt sich eine andere Frage...
Ist Religion ein Grund, sich mit dem, was wir unter "Gott" verstehen, nicht zu beschäftigen?

Federling
30.04.2009, 11:26
Ist Religion ein Grund, sich mit dem, was wir unter "Gott" verstehen, nicht zu beschäftigen?

Nein, Religion ist doch der Grund, sich mit dem, was wir unter "Gott" verstehen, zu beschäftigen. Oder ist Gott der Grund warum man sich mit Religion beschäftigt? Ach, jetzt komme ich selber durcheinander.:blöd:
Auf jeden Fall kann ich mich mit Gott beschäftigen und nicht religiös sein.

Gruß
Federling

willi klein
30.04.2009, 15:30
Auf jeden Fall kann ich mich mit Gott beschäftigen und nicht religiös sein.

Wie geht das?...
Wenn man davon ausgeht, daß Religiösität ein Bezug zu einer welttranszendenten Letzt-Wirklichkeit ist und der Mensch das Bedürfnis nach "Sinn" (sinnhaften oder sinnvollen Welt) hat, könnte man Fragen, ob ein Mensch überhaupt nicht-religiös sein kann.

Moses
30.04.2009, 21:20
Ist Religion ein Grund, sich mit dem, was wir unter "Gott" verstehen, nicht zu beschäftigen?Die Beschäftigung mit beidem wird überflüssig, sobald den Ängsten&Problemen, die zu dieser Beschäftigung veranlassen, abgeholfen wird.

Dann verschwindet das Thema in der Senke der Bedeutungslosigkeit. Oder wie es irgendjemand mal pointiert formulierte: 3 Tage im Jahr bin ich Atheist, die restliche Zeit ist mir das Thema gleichgültig.

Wenn man davon ausgeht, daß Religiösität ein Bezug zu einer welttranszendenten Letzt-Wirklichkeit ist und der Mensch das Bedürfnis nach "Sinn" (sinnhaften oder sinnvollen Welt) hat, könnte man Fragen, ob ein Mensch überhaupt nicht-religiös sein kann.Mit dieser Definition von Religion wäre sogar das MorgenHoroskop meiner Oma zutiefst mystisch...:D

Eine Sinn-Antwort ist auch ohne Religion möglich. Oder anders: Religion ist nicht sinnvoll auf das Merkmal "Sinn-stiftend" reduzierbar.

druckfehler
01.05.2009, 01:21
Die Vorstellung, dass Gottesglaube bzw. Religion die Funktion der Instinkte ersetzt finde ich interessant. Gibt es konkrete Hinweise, die diese Theorie untermauern würden? Wenn das so ist, ergibt sich für uns doch einee sehr interessante Konsequenz daraus. Dann wäre doch Atheismus gewissermaßen eine evolutionäre Sackgasse, dass Atheisten lebensunfähiger sein müssten, als Menschen mit einem irgendwie gearteten Glauben. Eine Vorstellung, die unserer Kultur doch wohl eher fremd ist. Ein Gegenargument könnte sein, dass sich die Lebensbedingungen insofern verändert haben, dass der Gläubigkeit nicht mehr überlebensnotwendig ist - sondern inzwischen vielleicht sogar schädlich -, aber das müsste dann wiederum erstmal belegt werden.

Die landläufigere Meinung scheint mir zu sein, dass Glaube eine Art Fehlfunktion ist, der die angenommene Rationalität des Atheismus entgegengestellt wird. Also dass Glaube aus objektiv besehen 'falschen' kognitiven Verknüpfungen von Zufällen etc. entsteht. Was auch fraglich ist, da der Atheismus soweit ich weiß eine recht neue Erscheinung ist (gab es ähnlich 'atheistisch' frühe Kulturen?). Warum hätte die Evolution eine Funktion über lange Zeit aufrechterhalten, wenn sie schädlich ist? Und warum ist die Menschheit in dieser Zeit nicht längst am Fehlfunktionieren gescheitert?

Eine durchaus interessante Sache.

Uriel
02.05.2009, 18:55
Warum hätte die Evolution eine Funktion über lange Zeit aufrechterhalten, wenn sie schädlich ist? Und warum ist die Menschheit in dieser Zeit nicht längst am Fehlfunktionieren gescheitert?


Tja nun was soll ich dazu sagen, die Menschheit hat über Jahrtausende geglaubt, dass die Welt eine Scheibe ist und erst vor gaaaanz kurzer Zeit (in Relation zur gesamten Dauer der menschlichen Existenz) haben wir herausgefunden dass die Welt eine Kugel ist. Ist die These der dass die Welt eine Scheibe ist, ob der Dauer die sie für wahr gehalten wurde, nun weniger falsch???

Weiterhin passt die Evolution sich als solche immer den momentanen Gegebenheiten und Bedürfnissen an, das bis vor kurzem das Vorhanden sein einer Religion und der Glaube an Gott überlebensnotwendig war, erhöht oder senkt den Wahrheitsgehalt der Religion in keinster Weise, ebenso wird die die Existenz von Gott, ob dieser Evolutionsthese weder untermauert noch negiert.

Um nun die Frage (subversiv oder nicht) der Religion von Gott auf den Grund zu gehen, bedarf es jedoch zuallerersteinmal einer Definition des göttlichen Wesen mit der zumindest alle hier an der Diskussuion beteiligten konform gehen.
Und ich wäre nicht der Hellkeeper Uriel himself, wenn ich jetzt nicht meine Sicht der Dinge sprich meine Definition von Göttlichkeit hier zu besten geben würde. Die da lautet wir Menschen haben alle einen göttlichen Funken in uns und müssen diesen nuur nutzen. Denn steht nicht schon in der Bibel und amit auch in der Tora, dass Gott den Menschen nach seinem Ebenbild erschuf? Steht so ähnlich übrigens auch im Koran, und auch im Budhismus finden sich ähnliche Ansätze, nur im Hinduismus sind mir diese nicht bekannt, aber in 4 von 5 Weltreligionen. Zumindest wenn man die gute alte Warscheinlichkeitsrechnung bemüht.... Und heee selbst wenn ich falsch liegen sollte, ihr dürft mich alle herne anbeten!!!!

druckfehler
04.05.2009, 02:58
Weiterhin passt die Evolution sich als solche immer den momentanen Gegebenheiten und Bedürfnissen an, das bis vor kurzem das Vorhanden sein einer Religion und der Glaube an Gott überlebensnotwendig war, erhöht oder senkt den Wahrheitsgehalt der Religion in keinster Weise, ebenso wird die die Existenz von Gott, ob dieser Evolutionsthese weder untermauert noch negiert.

Kann ich definitiv so nachvollziehen. Hier würde mich jetzt eine weitere Ausführung interessieren. Welche Gründe gibt es dafür, dass die Religion seit der Aufklärung (oder wann auch immer man den Beginn von Atheismus/Agnostik/etc. in der westlichen Welt ansiedeln will) nicht mehr überlebensnotwendig war? Bzw. warum war sie vorher überlebensnotwendig? Und wo liegt der Unterschied zwischen weitgehend säkular-humanistisch geprägten Gesellschaften und fundamentalistisch-religiösen? Warum hat Religion dort noch einen hohen Stellenwert, während sie den hier nicht mehr so sehr hat (was man natürlich anzweifeln kann).

Was ich damit zum Ausdruck bringen will (außer Interess an Antworten auf meine Fragen, das auch) ist, dass ein vereinfacht linearer Evolutionsgedanke von Anpassung an die Lebensumstände fürs Überleben durchaus problematischer ist, als er vielleicht auf den ersten Blick erscheint.

El Patron
07.05.2009, 02:08
Um das mal abzurunden und die ebene zu verändern, eines meiner lieblingszitate:

God does not exist and Dirac is his prophet.

willi klein
08.05.2009, 22:53
Um das mal abzurunden und die ebene zu verändern, eines meiner lieblingszitate:

God does not exist and Dirac is his prophet.

Mittlerweile ein alter Hut, El Patron...
Seither hat sich wohl einiges in dieser Clique getan...
http://www.readers-edition.de/2008/04/08/quantenphysiker-behaupten-es-gibt-ein-jenseits/ (http://www.readers-edition.de/2008/04/08/quantenphysiker-behaupten-es-gibt-ein-jenseits/)

@druckfehler:
Was ich damit zum Ausdruck bringen will (außer Interess an Antworten auf meine Fragen, das auch) ist, dass ein vereinfacht linearer Evolutionsgedanke von Anpassung an die Lebensumstände fürs Überleben durchaus problematischer ist, als er vielleicht auf den ersten Blick erscheint.

Wenn man davon ausgeht, daß das Prinzip dieser "Anpassung" die Durchsetzungsfähigkeit des "Stärkeren" ist. (Ich hoffe ich habe deine Ausführungen richtig verstanden).
Was bedeutet dieser von der Evolutionstheorie geprägte Begriff des "Stärkeren"?
Hauen, Stechen, Treten... oder die Fähigkeit zur Kooperation und ein gegenseitig akzeptiertes Profitieren?
Wenn es das letztere wäre, was würde das für das Wesen des Menschen implizit bedeuten?

Welche Gründe gibt es dafür, dass die Religion seit der Aufklärung (oder wann auch immer man den Beginn von Atheismus/Agnostik/etc. in der westlichen Welt ansiedeln will) nicht mehr überlebensnotwendig war? Bzw. warum war sie vorher überlebensnotwendig?

War sie wirklich überlebensnotwendig?
Zumindest hat sie uns immer begleitet. Einen Nutzen zur Funktion hat sie wohl auch geliefert. Hat sie doch einen normativen Charakter, der in die Richtung des gemeinschaftlichen Lebens förderlich war/ist.

Manche Menschen können in unserer Zeit nichts mit "unserer" Aufklärung anfangen. Weil sie einer anderer Kultur angehören.
Kann dort die Religion nicht als eine Art von "Sinnstabilisator" dienen, die gesellschaftsbildenen oder -bindenden Einfluß haben kann?

Wenn dies so ist, von welcher Art ist dann unsere "Aufklärung"?
Eine Modifikation der urtümlichen Religiosität des Menschen?
Durch welche Faktoren ist sie bedingt?
Durch den zunehmenden Wissenserwerb unserer Methoden, die dann industriell auch Nutzen bringen?

Einige Wissenschaftler (z.B. Soziologen) sagen, daß die Religion unsere komplexe Umwelt vereinfacht und gemeinschaftsförderlich ist, wenn die für die Gemeinschaft als förderlich erkannte Grundsätze durch eine gewisse gewichtige "Ausschmückung" (Gott), normativer gemacht werden.

Andere sagen, daß wir von unserer evolutionären Entwicklung her so geprägt sind, daß es besser ist, den Windhauch in einer dunklen Nacht mit einem potentiellen Raubtier in Verbindung zu bringen, als den Winhauch Windhauch sein zu lassen... (Neutrale Dinge mit Lebewesen assoziieren).

Was ich in diesem Zusammenhang bemerkenswert finde, ist der Umstand, daß der Mensch im Vergleich zu anderen Spezies eine sehr lange Zeit für die Aufzucht seines Nachwuchses braucht. Die meisten Tiere sind kurze Zeit nach ihrer Geburt schon auf den Beinen.
Der Mensch braucht dazu 1 bis 2 Jahre...
ist also nach der Geburt hilflos und wohl sehr leichte Beute...
In dieser Zeit, kurz nach der Geburt ist/war der Mensch dazu gezwungen eine Art von "Subumwelt" (besser zu bewerkstelligen in der Gemeinschaft) zu schaffen, die dem Nachwuchs eine Chance zum Überleben liefern mußte (dadurch genötigt zu einer neuen Form der Wahrnehmung... nämlich der der Transzendenz?)...

Leider kann man hierzu die Quantenphysiker nicht befragen, da sie zurzeit an den Interpretationen ihrer naturwissenschaftlichen Erkenntnisse hart zu knabbern haben...:D

Eckermann
13.11.2009, 11:41
Ist die Frage nicht schon rhetorisch falsch?

Muss man nicht trennen?

1. Was/Wer/Wie ist Gott?

2. Was ist Religion? (Wohl die versch. Glaubenslehren an Gott, interpretiert durch Gottes direktes (so der Glaube des Islam) und unverfälschtes Wort. Oder z.B. das Christentum, dass davon ausgeht, dass das Wort überliefert wurde. In beiden Fällen z.B. durch der Religion bildende Worte der Propheten.
Religion hat mit dem Metaphysischen Wesen Gottes nicht direkt etwas zu tun.

Ich halte diese Frage für grundsätzlich falsch gedacht und gestellt.

willi klein
15.04.2010, 09:02
Religion hat mit dem Metaphysischen Wesen Gottes nicht direkt etwas zu tun.



Aber sicherlich indirekt schon...
Wobei man bei deiner Aufzählung der Religionen den Buddhismus und Hinduismus nicht vergessen sollte. Diese gehen mit dem "Gottesbegriff" völlig anders um...

Moses
22.04.2010, 16:05
Schlüssige Analyse, Eckermann. Denke auch, dass die Frage rhetorisch überspitzt ist. Religion, verstanden als ein System von Glaubenssätzen, ist der Versuch, das Wesen Gottes zu bestimmen. Warum sollte aber Gott (seine Existenz einmal angenommen) ein menschliches System benötigen, um zu einer Erkenntnis seiner selbst zu gelangen?

Holt man nun Buddhismus und Hinduismus mit ins Boot, wird die Frage vollends diffus. Denn wie könnte Gott von seiner Nicht-Existenz überzeugt sein? Allein die Vermutung, Gott könnte eine Religion haben, unterstellt ihm ein Bewusstsein, was eher für einen personalisierten Gott spricht (und die pantheistische Variante ausschließt).

Denke aber, die eigentliche Intention war die Frage, welche Religion am besten das Wesen Gottes beschreibt. Und hierauf lautet immer noch die beste Antwort: Der Atheismus...:D

Eckermann
02.05.2010, 12:58
Ach, interessiert das Thema wieder? Seltsam! Ich möchte da nicht nachstehn. Vielleicht sollte ich erstma nüchtern werden!?