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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gedicht Herr Novotny


bakerboy
26.08.2008, 14:39
Mein Nachbar Herr Novotny ist überhaupt nicht psychotisch, neurotisch. Nur den kleinen Nachbarsjungen findet er ein bisschen exotisch erotisch.

Seit Jahren wählt er SPD, nur die vielen Kanaken tun ihm weh sagt er wenn ich neben ihm am Hausflur steh.

Sonntags erster in der Kirchenreihe, fleht er dass man ihm verzeihe, dass er ständig saufe und sich dafür Kohle leihe.

Mein Nachbar hatte einst Frau und Kind, heute flüchtet er geschwind vor Post und Exekutor mit Briefen in denen Forderungen sind.

Am Stammtisch schwingt er wilde Reden, von dem was alte Zeiten uns noch geben, lässt das Glas zu alten Wessel - Liedern heben.

Trunken kurz vorm ins Traumland sinken, träumt er schon erneut vom Trinken, schimpft lauthals er auf alle Linken.

Castro, Mao, Marx diese Opportunisten gehören für ihn in dunkle Kisten, jährlich macht er dasselbe Kreuz auf Wählerlisten.

Mein Nachbar verschweigt des Vaters Land, denn wäre erst bekannt dass seiner Vater selber Pole, stellten sie ihn an die Wand.

Am Sonntagmorgen ist die erste Kirchenreihe leer, Niemandem ist das Herzen schwer, Herr Novotny ist nicht mehr.

Beim Begräbnis war der Stammtisch voll, der Friedhof leer. „Ach wie toll wenn der Novotny wieder wär“ sagt einer dem er noch Tausend Schilling schuld´, auf seine Art und Weise war der Novotny halt Kult.

Tom
28.08.2008, 22:33
Das ist nicht uninteressant, wenn's mir auch hier und da ein wenig zu platt (Verzeihung!) herüber kommt.
Für den Lesefluss wäre mir ein strophenhafter Satz deutlich angenehmer, kommt sonst wie'n Prosatext rüber.

Gruß,
Tom