PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gedicht Loszeit


druckfehler
22.09.2008, 03:03
Deine Schönheit, sagt er ihr, ist zeitlos. In die Hand
drückt er ihr den Strauß aus
bunten Blättern. Zeit
zu gehen, denkt das Mädchen und es schweigt.

Er läuft schon leicht gebückt, dabei hat er sein Leben lang
die Blätter nur vom Baum
gepflückt. Das Mädchen
schweigt und bleibt zurück; der Weg ist nicht mehr weit genug für zwei.

tränchen
22.09.2008, 23:50
eigentlich finde ich das gedicht sehr schön, es spricht mich wirklich an und hat mich zum mehrfachen lesen angeregt, jedoch irgendwie stolpere ich immer wieder über das "mehr" im letzten vers.
in zwischen bin ich sogar der ansicht, wenn man das weg lässt, der vers irgendwie eine andere bdeutung erhält, denn ich hab es jetzt so oft mit und ohne gelesen (obwohl das ohne "mehr" gar nicht wirklich immer beabsichtigt war)
...ich glaub, ich lese mir dein gedicht noch mal durch :D

druckfehler
27.09.2008, 23:54
dankeschön, tränchen.
ich glaube auch, dass das weglassen des "mehr" die bedeutung des gedichts ändert. würde mich interessieren, wie du das gedicht je lesart interpretierst. inwiefern stolperst du denn, vom rhythmus? merkwürdig, ich stolpere da eher, wenn ich das "mehr" weglasse.

willi klein
28.09.2008, 12:13
Tragisch schön, herbstlich melancholisch...
Gänsehautverursachend...:)

Ein Mann sucht zeitlebens die Schönheit der Liebe und findet sie als gebückter alter Mann in der Person dieses Mädchens...

Doch es ist zu spät... die Zeit, der Herbst drängt zum Abschied...

Die Bilder der bunten Blätter treffen die Stimmung gut.
Das "mehr" darf da nicht fehlen, da es andeutet...
daß es zu günstigeren Zeiten möglich gewesen wäre...
das Zusammenkommen...

Dein Gedicht ist ein recht subtiles Herbstgedicht. Es verursacht in mir das Erfühlen einer herbstlichen Landschaft, eine Art "Indian summer"...

Grüße

Caty
06.10.2008, 07:39
Lieber Druckfehler,

ein Text über die Liebe im Herbst und im Frühling des Lebens. Ich finde die Idee poetisch, leider sprachlich nicht lyrisch umgesetzt, die Sprache ist reine Prosa. Ich will dir hier aber keinen Vortrag über lyrische Sprache halten, das kannst du nachlesen, falls du an dieser Thematik interessiert sein solltest.

Liebe Grüße, Caty

druckfehler
06.10.2008, 15:31
Mir ist bewusst, dass das Prosasätze sind und ich habe durchaus eine Vorstellung von lyrischer Sprache. Ich könnte es auch als Kruzprosa bezeichnen. Dann würde ich aber wohl nicht berücksichtigen, dass lyrische Stilmitte wie z.B. Enjambement hier auch eine Rolle spielen.
Klar, man könnte über die Thematik auch bildhafter und eliptischer schreiben, aber das würde die Stimmung der Zeilen ändern. Ich schreibe gern nüchtern,also habe mich bewusst für diesen Mischling entschieden. Warum müssen die Grenzen zwischen Lyrik und Prosa denn klar umrissen sein? Wieso darf es nicht auch ein Mittelding geben?

druckfehler
06.10.2008, 23:59
Dankeschön, cyparis. Ich tue mich mit Überschriften meist ziemlich schwer, diese hier ist aus dem Bauch heraus entstanden, steckt also an sich wenig Sinn dahinter :D Ich wollte das Gegenteil von "zeitlos" ausdrücken, aber nicht gleich Vergänglichkeit benutzen. Wenn ichs als Neologismus definieren dürfte, wäre "Loszeit" eine Zeit einer signifikanten, schicksalhaften Erkenntnis oder Veränderung.
Lostage kannte ich bisher gar nicht. Mir gefällt der Gedanke, denn das Gedicht trifft ja eine Vorhersage auf die Zukunft des Mannes.