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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Das Gesicht


willi klein
01.11.2008, 00:54
Alle Gesichter sind Teil eines Gesichtes.
Eines Gesichtes, das aus den Urtiefen des Ozeans aufgetaucht ist.
Es blickt hoch in den weiten Raum
und schaut
doch es sieht nichts.
Das Gesicht sieht die Schönheit nicht.

Das Gesicht.
Ist es zum Ausdruck gekommener Ozean?
Fließt es in den Tälern und Hügeln
zurück in die Liebe, die es geformt hat?

Das Gesicht sieht sich im Spiegel des Wasser
und kann den Blick nicht mehr abwenden.
Es nimmt sein Spiegelbild wahr
und macht es zu seiner Wahrheit.
Es verliebt sich in das Bild,
will es küssen
und wie in einem Traum taucht es in den Ozean zurück.
Es hat die Liebe des Ozeans nicht verstanden.

Fühlt es die Liebe des Ozeans?
Dann wird es den Blick von dem Bild,
das es zum Trugbild seiner Wahrheit gemacht hat,
abwenden.
Es wird sich nicht in das Bild verlieben,
denn es will sich nicht gefangennehmen
und sich Leid zufügen,
indem es sich dem Freisein verweigert.
Die Liebe des Ozeans
wird es nochmals aufschauen lassen,
in den weiten Raum.

Wohin wird sein Weg gehen?

Ölli
01.11.2008, 19:38
Hallo Willi,

sprichst du in deinem Gedicht von der Menschheit, die sich selbstverliebt die Natur untertan gemacht hat und nicht bemerkt, dass es mit der Zerstörung dieser, auch sich selbst zerstört?

Zurück zur Natur! Denn der Mensch ist ein Teil von ihr - Er ist erst wirklich frei, wenn er dies erkennt und die daraus resultierende Chance zur Umkehr nutzt - bevor es zu spät ist.

Tja, wohin wird der Weg wohl gehen. Dies wird die Natur wohl bald entscheiden, in der der Mensch noch frei ist.

Grüßle
Ölli

willi klein
02.11.2008, 12:23
Hallo Ölli...

Vielen Dank für deinen Kommentar...

Ich denke auch, daß man es so interpretieren könnte...
Wobei das Freisein auch bedeutet, ein Stück weit von der eigenen Selbstbezogenheit frei zu sein.
Mit dem Gesicht ist, wie du richtig erkannt hast, die Menschheit, die den Blick in erster Linie auf sich selbst gerichtet hat, gemeint.
Technik fürs Ego, oder so. Dies verschließt oft den Blick auf die Dinge, die die wirklichen Grundlagen unseres Lebens betreffen. Dies wären unsere Umwelt, unsere Familien, unsere Zukunft, unsere Expansion im Geiste.

Die Selbstbezogenheit zeigt sich unter anderem im Konsum, Luxus, Medien,
Status...
Denke, daß es vielleicht ein umfassendes urpsychologisches Dilemma der Menschheit ist. Wobei ich nun extrem verallgemeinere, aber hey,
anscheinend verursachen wir das größte Artensterben seit 65 Millionen Jahren...(kann man ohne weitere Probleme nachgoogeln)...
wenn das mal nicht diese Verallgemeinerung rechtfertigt...

Grüße

Ölli
02.11.2008, 20:40
....da fällt mir in dem Zusammenhang der Film Matrix ein, in dem der Agent sagt: "Ihr seid das Virus, dass sich ohne Rücksicht auf die eigenen Ressourcen ausbreitet und sogar die vollkommende Zerstörung des eigenen Lebensraums in Kauf nimmt!"

Außerdem komme ich nochmal auf die Selbstbezogenheit zurück. Ich habe einmal gelesen (weiß leider nicht mehr wo), dass der Mensch mindestens 3/4 des Tages damit beschäftigt sein soll, seine Existenzbedürfnisse zu befriedigen.
Da die Grundbedürfnisse in unserem Land ja fast jedem relativ leicht zu Verfügung stehen, verwenden wir wohl mehr Zeit mit der Befriedigung der Luxusbedürfnisse, was sich auch sehr schön, wie ich finde, in deinem Gedicht widerspiegelt.
Wie soll jemand, der so (mit sich) beschäftigt ist, auf einen klaren Gedanken kommen und in im Entferntesten darauf kommen, dass es falsch sein könnte, was er gerade macht. Denn er fühlt sich ja schon auf den Weg zur Befriedigung gut.

Solange sich unser Geist nicht (vom Körper) befreit, so wird sich dies in absehbarer Zeit auch nicht ändern. Ist doch schon komisch, wie harmonisch die Menschen im Einklang mit der Natur leben könnten.
http://de.wikipedia.org/wiki/Buddhismus#Grundlagen_des_Buddhismus

Ich bin nicht gerade ein überaus religiöser Mensch. Aber eigentlich finde ich dort dein Gedicht auf irgendeiner Art und Weise wieder.

Grüßle

druckfehler
05.11.2008, 21:23
hat so was buddhistisches. Das "alles ist eins" und vielleicht auch diese Selbstreferentialität (ist das jetzt ein sinnvoller Ausdruck dafür?). ch meine den Selbstzweck, die Selbstliebe...
Auch erinnert die Wiederholung des Ein- bzw. Auftauchens an eine zyklische Zeitvorstellung... dann jedoch wird dies durchbrochen... oder soll durchbrochen werden? Interessant, dass sich gerade hier der Zeitenwechsel ins Futur vollzieht. Das durchbrechen des zyklischen und des Selbstzwecks der Existenz erscheint nur als vage Vermutung...

ist das zu fern vom Text? :)